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Kinderbetreuung: Türkenfeld entlastet Familien

Gemeinde übernimmt freiwillig 50 Prozent des gestrichenen Elternbeitragszuschusses

Zum 1. Januar 2027 reformiert der Freistaat die Finanzierung der Kindertagesbetreuung. Ziel ist vor allem eine Stärkung der Betriebskostenförderung – es soll mehr Geld in die Einrichtungen fließen. Gestrichen wird dafür der staatliche Elternbeitragszuschuss in Höhe von 100 Euro pro Monat für jedes Kindergartenkind. In Türkenfeld wird dieser Schritt die betroffenen Familien weniger hart treffen als anderswo. Die Gemeinde hat sich dazu entschlossen, freiwillig die Hälfte der bisherigen Beitragsentlastung zu übernehmen. Für die Eltern steigen die monatlichen Kindergartenkosten also nicht um 100 Euro, sondern nur um 50 Euro.

Das ist zweifellos immer noch eine spürbare Mehrbelastung. Doch die meisten anderen Kommunen im Landkreis sind gar nicht in der Lage, den wegfallenden Zuschuss anteilsmäßig zu kompensieren. Die Haushaltslage ist allerorts angespannt, und auch in Türkenfeld zeichnet sich ein deutlicher Rückgang der Einnahmen ab. Ein vollständiger Ersatz des staatlichen Zuschusses ist also auch hier nicht möglich. Die vom Gemeinderat einstimmig beschlossene 50-prozentige Übernahme stellt aus Sicht einer verantwortungsvollen Finanzpolitik das maximal Mögliche dar.

Warum ist das so?

Die Kinderbetreuung verursacht Jahr für Jahr ein beträchtliches Defizit im Gemeindehaushalt. 2025 betrug es ~ 625.000 Euro – das entspricht 40 Prozent der Gesamtausgaben für die Kindertagesbetreuung. Die Summe aus staatlichen Fördermitteln und Personalkostenerstattungen, Elternbeiträgen, Zahlungen anderer Wohnsitzgemeinden (für auswärtige Kinder), Verpflegungserstattungen und Mieteinnahmen (aus den beiden Wohnungen im Kinderhaus Pfiffikus) deckten zusammen also nur 60 Prozent der Kosten ab.

Herausgerechnet, machten die Elternbeiträge nur elf Prozent der Gesamtkosten aus. Vom ursprünglich in Bayern angedachten Finanzierungsmodell einer Drittelung der Kosten – ein Drittel Freistaat, ein Drittel Kommune, ein Drittel Elternbeiträge – ist die Realität seit vielen Jahren weit entfernt.

Aber bekommt Türkenfeld denn nicht künftig mehr staatliche Förderung?

Doch. Allerdings fällt die Steigerung moderater aus als in anderen Gemeinden, weil Türkenfeld bereits in der Vergangenheit zahlreiche Sonderförderungen genutzt hat, die im Zuge der Reform nun wegfallen. Für 2027 rechnet die Gemeinde deshalb immer noch mit einem Defizit von 606.000 Euro.

Die Hauptursache liegt in den gestiegenen Personalkosten. Seit 2020 sind ganz erhebliche tarifliche Steigerungen im Sozial- und Erziehungsdienst beschlossen worden. Im laufenden Jahr muss Türkenfeld für alle Arbeitgeberaufwendungen in der Kinderbetreuung 1,7 Millionen Euro aufbringen. Wohlgemerkt: Das Geld ist gut angelegt, denn eine qualitativ hochwertige Betreuung und Förderung unserer Kinder durch gut ausgebildete und motivierte Fachkräfte ist in unser aller Interesse. Unsere Kinder sind das Wertvollste, das wir haben, sie sind unsere Zukunft.

Gleichwohl muss die Gemeinde aus ihrem Haushalt auch zahlreiche andere Aufgaben bestreiten. Die beschlossene Beitragskostenentlastung macht pro Jahr insgesamt 72.500 Euro aus – eine durchaus beträchtliche Summe also, die als Teil des oben genannten Defizits zu Buche schlägt. Die Gemeinde hat die Absicht, die Entlastung so lange aufrecht zu erhalten, wie die Haushaltslage es zulässt. Grundsätzlich jedoch handelt es sich um eine freiwillige Leistung, die alljährlich neu zu bewerten sein wird.