Erntezeit ist auch die Zeit von „Erntejagden“

Wildschweine

Wenn der Sommer zu Ende geht und die Felder reif zur Ernte sind, werden leider oft auch Wildschäden sichtbar, die hauptsächlich durch Wildschweine verursacht wurden. Die milden Winter und das üppige Nahrungsangebot - mittlerweile werden auf über der Hälfte der deutschen Ackerflächen die Lieblingsspeisen des Schwarzwildes angebaut, nämlich Weizen, Mais und Raps - begünstigen hohe Bestände. Das macht sich auch in den gestiegenen Abschusszahlen bemerkbar: so wurden im Jagdjahr 2019/20 alleine in Deutschland ca. 882.000 Wildschweine von Jägern erlegt, doppelt so viele wie noch vor 20 Jahren.

Wildschweine gehen bereits mit Beginn der Fruchtreifung (sogenannte Milchreife beim Weizen und Mais) in die Felder und bleiben dort zum Teil über Wochen und Monate, ohne sie zu verlassen. Die Schäden, die dabei durch den immensen Appetit der Tiere - eine große Rotte kann binnen einer Nacht ein ganzes Feld verwüsten - entstehen können, sind für den Landwirt enorm. Der Jagdpächter wiederum ist schadenersatzpflichtig und muss dafür finanziell aufkommen.

Um es erst gar nicht so weit kommen zu lassen, wird heutzutage, auch im Jagdbogen Türkenfeld Süd, modernste Technik z.B. in Form von Drohnen und Wildkameras eingesetzt, um frühzeitig gegensteuern zu können.

Im Türkenfelder Revier werden daher beim ersten Sichtkontakt mit Schwarzwild oder bei Schäden in der Feldflur sofort Maßnahmen ergriffen, um die Wildscheine schnellstmöglich aus den Feldern zu vertreiben. Dabei werden die Tiere über Ansitzeinrichten (Jägerstand) intensiv bejagt. Die Ansitzjagd ist sehr zeitaufwendig und findet aufgrund der Lebensweise von Schwarzwild ausschließlich nachts statt.

Eine weitere, sehr effiziente Art der Bejagung sind sogenannte Erntejagden. Dabei umstellen mehrere Jäger in Signalbekleidung ein zu erntendes Feld. Aufgeschreckt durch das Mähfahrzeug und die immer kleiner werdende Fläche wird das Schwarzwild gezwungen die schützende Deckung zu verlassen und in den Wald zu flüchten. Ziel ist es dabei, möglichst viele Tiere einer Rotte bei dieser Flucht zu erlegen und so maximal in den Bestand einzugreifen. Diese Jagd erfordert ein hohes Maß an Können und Konzentration, vor allem aber äußerste Vorsicht, da hier auf flüchtendes Wild in einer für Menschen zugänglichen Zone geschossen werden muss. Um Jagdunfälle zu vermeiden, ist, neben den obligatorischen Sicherheitsvorkehrungen (Signalbekleidung, Warnschilder), auch das richtige Verhalten der Bevölkerung ein wichtiger Faktor.

Wir bitten Sie daher um Ihre geschätzte Unterstützung: sollten Sie in den kommenden Wochen bei einem Spaziergang oder einer Fahrradtour auf eine Erntejagd treffen, bewahren Sie bitte Ruhe und bleiben Sie nicht als Zaungast stehen. Unterhalten Sie sich nicht mit den Jägern, sondern gehen oder radeln Sie bitte zügig weiter. Falls Sie mit Hund unterwegs sind, bitte diesen sofort anleinen. Ein frei laufender Hund ist nicht nur aufgrund der Erntejagd gefährdet. Sie setzen ihren Hund einer massiven Gefährdung aus wenn er in ein Feld läuft und dort auf wehrhaftes Schwarzwild trifft.

Wenn alles klappt, steht am Ende der Jagderfolg. Wildbret aus der Region ist ein nachhaltiges und qualitativ sehr hochwertiges Nahrungsmittel, das Sie unter anderem beim Gasthaus Hartl genießen können.

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