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Von Duringfeld nach Türkenfeld

Der historische Festzug zeigt im Zeitraffer die Dorfgeschichte über die Jahrtausende von den ersten Siedlern der Region bis heute.  Die Türkenfelder hoben dabei besonders die Zeit der Hofmarksherrschaft und ihre bäuerliche Tradition hervor. Viele Themen, die von den Kindergarten-Kindern, den Schülern der Volksschule oder den Mitgliedern der Vereine historiengetreu dargestellt wurden, lassen sich auch auf andere Hofmarksorte in Bayern übertragen. Die Besucher aus nah und fern konnten somit ein interessantes Kapitel bayerischer Dorfgeschichte miterleben.


Blasorchester Türkenfeld und die Ehrenkutschen


Die Themengruppen des Festzuges:

I.   Frühe Siedler in der Flur (500 V. CHR. - 700 N. CHR.)

Der älteste Fund, der die vorgeschichtliche Besiedlung der Türkenfelder Flur nachweist, ist ein Hockergrab der Schnurkeramiker (auch Streitaxtleute genannt). Diese Kulturgruppe, die um 2000 v Chr, begann, wird nach den Ziermustern auf der Keramik benannt. Von den Siedlern der Bronzezeit, Hallstattzeit und Latenezeit künden nahezu 60 (teilweise verebnete) Grabhügel, verteilt auf mehrere Standorte in den Gemarkungen Türkenfeld und Zankenhausen. Auch eine keltische Viereckschanze ist im Luftbild auf Türkenfelder Flur zu erkennen.

6. Kelten und ihr Heiligtum
Prozession der Likatier zur Viereckschanze  (Gemeindekindergarten)
Kinder stellen eine keltische Prozession zur Viereckschanze dar. Götter sollen für das GedeihenderFeldfrüchte gnädig gestimmt werden. An der Spitze des Zuges geht der Druide (Keltenpriester), der eine Sichel als Zeichen der Würde trägt.
Beide Seiten des Lechs, bis in unseren Raum hinein, wurden vom keltischen Stamm der Likatier bevölkert. Zeugen der keltischen Zeit sind die Viereckschanzen. Welchem Zweck sie dienten, war lange Zeit umstritten: Einige meinten, es waren Viehpferche, andere glaubten es waren römische Befestigungsanlagen. Seit einer Grabung in Holzhausen steht fest: Es waren keltische Heiligtümer, umfriedete Kultbezirke.

7. Römer in unserer Heimat: Legion auf dem Durchzug 
Volksschule, Klasse la und 1b (Pferdegespann: Rügemer, Utting)

15 v. Chr. fiel das Land zwischen Alpen und Donau unter die Herrschaft der Römer. Um Aufstände schon im Keim zu ersticken, haben die Römer angeblich einen großen Teil junger Kelten deportiert und in die römische Legion gesteckt. Zurück blieb, wer für die Bewirtschaftung der Felder benötigt wurde. Die Likatier dürften sich mit den römischen Kaufleuten, Veteranen und Verwaltungsbeamten zu einer einheitlichen Provinzbevölkerung vermischt haben. Eine römische Ziegelei auf Gemeindegrund vermutet der Kreisheimatpfleger. Nicht allzu weit von Türkenfeld entfernt verlief über Windach-Eresing-Geltendorf eine wichtige Römerstraße, die Rom mit Augsburg verband. Kinder stellen römische Legionäre dar, die auf der Römerstraße nach Augsburg ziehen.

8. Bayuwarisch-alemannische Besiedelung unserer Heimat During und seine Sippe gründen das Dorf Freie Wähler (Ochsengespann: Haslauer, Wengen)
Um 500 n. Chr. bedeckten noch Urwälder die Jungmoränen-Gebiete unserer Heimat, lediglich kleine Siedlungen waren waldfrei. Die Besiedelung unserer Heimat durch bajuwarisch-alemannische Völker wird wie folgt rekonstruiert: Das Ampertal wird ab dem 6. Jahrhundert vereinzelt besiedelt. Stärkere Besiedelung erfolgt erst im 7.Jahrhundert. Die mit Personennamen und der Endung -ing gebildeten Ortsnamen sind die ältesten Orte. Diese sind vor allem der Amper entlang und südlich davon zu finden. Die -dorf, -hausen, -heim und -hofen-Orte sind dialt.e ersten Ausbaustufen in unserem Gebiet.

Nach dem heutigen Stand der Geschichtsschreibung siedelten die Alemannen bis zum Ammersee und zu der Amper, vereinzelt sogar bis zur Würm. Unser Gebiet gilt als Grenzland zwischen den damaligen Alemannen und Bajuwaren. Dies äußert sich noch in der lechrainischen Mundart, die leider nur noch von den »Alten« in Türkenfeld gesprochen wird.
In einer Salzburger Urkunde aus dem Jahr 749 wird unser Dorf erstmals als »Duringveld« erwähnt. Davon abgeleitet nimmt man an, daß sich hier der bajuwarische Sippenführer »During« mit seinem Gefolge angesiedelt hat.

 

II.  Duringveld und die Duringfelder

Türkenfeld hatte einen Ortsadel, der sich nach dem Dorf nannte: 
In der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts wird in den schriftlichen Quellen ein »Durinch miles« und ein Jahrhundert später ein nach Duringfeld sich nennendes andechsisches Ministerialengeschlecht erwähnt.  Die gekreuzten goldenen Streitkolben auf schwarzem Schild im Türkenfelder Gemeindewappen sind dem Familienwappen der Duringfelder (Ortsadelige) entnommen.

10. Erste urkundliche Nennung des Ortes
Graf Gunther schenkt dem Kloster Otting einen Besitz in Duringveld

Gemeindeverwaltung (Pferdegespann: Welzmüller, Reisch)
Türkenfeld ist im Breves Notitiae (Güterverzeichnis) des Bistums Salzburg erstmals erwähnt. Im gleichen Jahr, in dem Virgil die Bischofswürde empfing, schenkten Gunther, Graf im Chiemgau und seine Gattin Hadeburg dem Kloster Otting (bei Waging) Besitz in Duringveld im Augstgau. Nach neuestem Kenntnisstand wird Virgils Bischofsweihe und damit Türkenfelds Erstnennung dem Jahr 749 zugeschrieben.

11. Abordnung aus Otting Theaterverein Otting-Waging
Otting am Waginger See und Türkenfeld haben etwas gemeinsam:
Beide Orte werden im Zusammenhang mit der Klostergründung von Otting vor 1250 Jahren erstmals erwähnt. Aus diesem Anlaß führt der Theaterverein Otting im Festjahr das historische Stück »Graf Gunthers Seelenheil und's Kloster z'Otting« von Franz Patzelt auf. Die Ottinger spielen somit auch ein Stück Türkenfelder Ortsgeschichte.

12. Frühmittelalterlicher Burgstall bei Burgholz Ritter und Landsknechte schützen Duringveld und Umgebung
Volksschule, Klasse 4 und Intermundus Königsbrunn

Bei Burgholz befindet sich ein Burgstall, der heute fälschlicherweise als Römerschanze bezeichnet wird. Im Frühmittelalter stand hier vermutlich eine Holzburg. Schüler stellen frühmittelalterliche Landsknechte des Burgstalls dar.

13. Die Duringfelder verabschieden sich aus Türkenfeld
Konrad Durggenfelder, Propst zu Dießen, verkauft die »Veste« 
TSV Türkenfeld (Pferdegespann: Wieland, Pähl)

Konrad von Klammenstein, verheiratet mit Margaretha von Duringfeld, war um 1367 Mitbesitzer des Dorfes. Ihr Sohn Konrad der Jüngere verkaufte seinen Teil der Veste Türkenfeld 1371 mit allem Besitz an Hansen von Burgau zu Walbach. 22 Jahre später veräußerten wiederum dessen Söhne ihren Teil an Arnold von Kammer den Jüngeren zu Jetzendorf. Auch Konrad Durggenfelder, Propst zu Dießen und einer der letzten der Familie, verkaufte 1393 seinen Anteil an der Veste an Arnold von Kammer. Damit verabschiedete sich das Adelsgeschlecht der Duringfelder aus der Dorfgeschichte von Türkenfeld.

 

III.   Hofmark Durgenfelt und ihre adeligen Herren (1440 - 1600)

Hofmarken sind kleine Gerichts- und Verwaltungsbezirke des Adels und der Prälaten. ( z.B. der Jesuiten in Zankenhausen ). Diese Grundherren übten die niedere Gerichtsbarkeit und die Polizeigewalt aus, verlangten Steuern und Scharwerksdienste und musterten das Aufgebot zur Landesverteidigung. Verbriefungen, die heute ein Notar durchführt, waren einst Aufgabe der Hofmarksverwaltung.
Der Hofmarksherr war in jeder Hinsicht Obrigkeit.

15. Der Hofmarksherr Aresinger läßt die Pfarrkirche bauen
Kirchenverwaltung Türkenfeld, Modellbau: Rudi Heitzer und Josef Heigl, Pferdegespann: Ruppaner, Inning

Die heutige Türkenfelder Pfarrkirche wurde im Jahr 1489 im spätgotischen Stil erbaut. Die Stiftung der Kirche wird den Aresingern zugeschrieben.1410 kauft Georg Aresinger, Ritter und Pfleger zu Wolfratshausen, die Veste. Um 1440 bezeichnet er Türkenfeld als Hofmark. Er ist auch der Ansicht, daß der heutige Ortsteil Pleitmannswang zu seiner Hofmark gehört. 1470 ist Wilhelm Aresinger zu Türgenfeld als Landsasse aufgeführt. 1495 belehnt Herzog Albrecht IV Wolfgang Aresinger mit dem Kirchensatz und dem Gericht zu Türkenfeld und Steinbach. Die Herren von Aresing gaben dem Ort Eresing seinen Namen.

16. Kleine Leute in der Hofmark: Söldner und Tagelöhner  
Schäferhundeverein

Die Menschen, die in den Dörfern in kleinen Häusern (Sölden) ohne Grund und Boden lebten, waren bettelarm. Bauern und Herren griffen auf Söldner als Tagelöhner zurück, wenn besonders viel Arbeit (z. B. in der Erntezeit) anfiel, oder das Gesinde fehlte. Tagelöhner und Söldner nahmen auf dem Land den untersten Rang ein. Die meisten Hofmarksherren förderten häufig die Söldenbildung: Hieraus wuchsen ihre Dienstboten und Tagelöhner heran. Noch heute sind ehemalige Hofmarken am Ortsbild (kleine Häuser am Ortsrand) zu erkennen.

17. Bauern bringen den Zehent zu den Hofmarksherren Hund und Eresinger Katholischer Frauenbund (Pferdegespann: Kusterer, Waalhaupten)
Lange Zeit waren es vor allem Naturalien, die als Abgabe an die Grund- und Hofmarksherren abzuführen waren. Jede zehnte Getreidegarbe fuhr der Bauer in den Stadel des Grundherrn! Auch Äpfel, Schweine oder Hühner mußten abgeliefert werden. Der Zehentherr ging sogar mit seinem Schreiber auf die Felder und in die Hausgärten, um die Garben und die Obstbäume zu zählen und hieraus die Abgaben zu bestimmen, wie folgendes Beispiel aus Zankenhausen aus dem Jahr 1613 zeigt: »Hans Paur sedlbaur, besitzt den sedlhof, Item ein paumbgärtel, darinnen 15 fruchtbar öpffel- piern- und andern pämb«.

18. Hofmarksherr Stauding mustert das Aufgebot zur Landesverteidigung
Freiwillige Feuerwehr Zankenhausen (Pferdegespann: Echter, Hofstetten)

Bei Landesnot (Kriegsgefahr) mußte die Hofmark ihr Kontingent an wehrfähigen Männern aufstellen. Die Rekrutierung der dörflichen Abordnung der Männer zu den Landfahnen war Aufgabe des Hofmarksbeamten.
1569 erkauft Hans Stauding, Pflegsverwalter zu Friedberg, Schloß und Hofmark Türkenfeld. Noch im gleichen Jahr wird Stauding mit dem halben Hofmarksgericht sowie dem Kirchensatz belehnt. Nun besitzen Engelmar Hund und sein Schwager Hans Stauding je zur Hälfte das Hofmarksgericht. 1575 verzichtet Engelmar Hund zugunsten seines Schwagers auf seinen Anteil. Die Hofmark Türkenfeld ist wieder unter einem Herrn vereint. Das Wappen der Staudinger, drei blaue Lindenblätter an verschlungenem Stiel auf silbernem Schild, ist heute Bestandteil des Türkenfelder Gemeindewappens.


19. Rechtsprechung in der Hofmark:  Ein Lump wird vom Niedergericht verurteilt    CSU-Ortsverband    (Pferdegespann: Bauer, Stoffen)
Die Hofmarksherren übten die Niedergerichtsbarkeit und die Polizeigewalt über das ganze Dorf aus: Der Hofmarksherr konnte seine Untertanen bei Diebstahl, Rauferei, Beleidigung und ähnlichen niederen Vergehen bestrafen. Meist wurden Schandstrafen verhängt. Frauen schloß man wegen Zank, übler Nachrede, Raufereien oder vorehelichem Beischlaf in die Geige, Männer für ähnliche Vergehen in den Block. »Gehängt« wurde in Landsberg:  »Wegen Kindermord wurde Agnes Kürner von Bleutmansschwang, hiesigen Landgerichts hingerichtet« .


IV:   Schwierige Zeiten in der Hofmark Dürckefeldt

Der Dreißigjährige Krieg schlug tiefe Wunden im Dorf:
»Vor Pest, Hunger und Krieg verschone uns oh Herr«, wurde die große Bitte der Menschen, die unter den Plünderungen und der Willkür der Armeen und den Folgen des Krieges litten.

21. Schrecken des Dreißigjährigen Krieges;
Schweden brennen die Veste nieder      Volksschule, Klasse 3b

Der Abt von Andechs beschrieb in seinem Tagebuch die Schrecken des Krieges in unserer Heimat. Über den November 1646 berichtete er:
»So gingen die Schweden bei Kaufering wieder über den Lech herüber, weiß nicht, aus welcher Schuld, oder Übersehenheit, schnitten den Unseren den Rückweg ab, und tyrannisierten alle Gegend vom Lech bis München grausam durch .... Auch Weiber, und Kinder entgingen ihrer Marter so, wie ihrem Mutwillen nicht . ... Das meiste bei diesem Einfall der Schweden haben doch immer die Lechrainer gelitten, die nebst andern Qualen, Plünderungen und Tyranneien sehr viele Häuser und ganze Dörfer im feindlichen Feuer verloren haben«. In Türkenfeld brannten die Schweden die Veste nieder. Zankenhausen verlor ein Bauernhaus.

22. Not und Elend durch die Pest         Evangelische Pfarrgemeinde
Im vom Dreißigjährigen Krieg geschwächten Land grassierte um 1634 und von 1645 bis 1648 wie nie zuvor die Pest. Es gab Regionen, in denen 4/5 der Einwohner starben. In Zankenhausen holte der »Schwarze Tod« jeden zweiten Bürger.
In diesen Schreckensjahren konnten nur noch Gott und die Gottesmutter helfen.
Das »Fraulebeten« (zur Gottesmutter beten) ist in der Pfarrei St. Johann Baptist noch immer Christenpflicht.
Keine zwei Generationen später brach ein neuer Krieg aus. Im Spanischen Erbfolgekrieg (1701-1714) verwüsteten die alliierten Truppen das Land - Zankenhausen brannte fast völlig nieder.

 

23. Jagdwesen in der Hofmark: Als die Wildschützen noch Helden waren Jagdgenossenschaft Zankenhausen
(Pferdegespann: Schlittenlechner, Mammendorf)

Das Jagdprivileg war ein Herrenrecht von hervorragender Symbolkraft, das in Türkenfeld nur der adelige Hofmarksherr besaß. In den Kriegsjahren war die Wilderei aus Not weit verbreitet. Und die Bauern dankten es den Wildschützen; denn sie schossen das Wild weg, das ihnen die Felder leer fraß und das zu jagen ihnen verboten war.

24. Türkenfelder Legenden: Wolfsgasse 
Volksschule, Klasse 3a

Türkenfeld hat auch seine Legenden: So soll der Ort einst eine riesige Stadt gewesen sein, die von Burgholz bis Klotzau reichte. In einer anderen Legende ist das einstige Schloß im Boden versunken. Der Flurname »Hirschenwang« geht der Sage nach auf einen gleichnamigen Ort zurück, von dem heute keine Spur mehr vorhanden ist.
Die Namensgebung »Wolfsgasse« für einen Hohlweg vor dem Ort läßt sich auf eine Legende zurückführen.

25. Dreiherrenstein: Drei Herren teilen sich die Flur -
Tummelplatz der Hexen und bösen Geister      Volksschule, Klasse 5

Im Wald von Türkenfeld nach Geltendorf steht ein Grenzstein aus dem Jahr 1692 mit dreieckigem Querschnitt. Jede der Seiten enthält die Abbildung eines Wappens: das bayerische Rautenzeichen, das IHS-Zeichen und zwei gekreuzte Abtstäbe mit den Buchstaben BB. Der Stein markiert die Grenze des Waldbesitzes des Kurfürsten, der Jesuiten und des Klosters Benediktbeuern.
Der »Dreiherrenstein« galt in früheren Jahren als Tummelplatz von Hexen und bösen Geistern. Der Sage nach sollen Mitglieder der Räuberbande des »Bayrischen Hiasl« hier begraben liegen und am Allerseelentag ruhelos umgehen.

26. Bau des Fugger-Schlosses Katholische Pfarrgemeinde Zankenhausen 
Modellbau: Josef Heigl und Rudi Heitzer,  Pferdegespann: Käs, Westerringen

Das Schloß Türkenfeld, von Michael Wening um 1700 in Kupfer gestochen, diente dem Hofmarksherrn Fugger als Herrschaftshaus für seine Verwaltungsbeamten. Erbaut wurde das Schloß vermutlich an der Stelle, wo einst die Feste stand, die im Dreißigjährigen Krieg von den Schweden zerstört wurde. Das um 1725 umgebaute sogenannte Fugger-Schlößchen dient heute als Rathaus.
Pfarrer Benedikt Held ließ zur Zeit der Hofmarksherrschaft von Graf Aloisius Fugger die spätgotische Pfarrkirche im prächtigen Rokoko-Stil umgestalten (1754-1766). In der Kreuzkapelle ist die Grabplatte des Pfarrers eingelassen. 1789 ging die Hofmark an den Freiherrn v. Lösch zu Hilgertshausen. Er übernahm wohl auch die Grundherrschaft vom Grafen zu Taxis. Das jedenfalls berichtet der Historische Atlas von Bayern. Nach dem Heimatbuch der Gemeinde Türkenfeld verkauften die Fugger die Hofmark Türkenfeld an Klemens Wenzeslaus, Erzbischof und Kurfürst von Trier sowie Bischof von Augsburg.

27. Koalitionskrieg (1796):  Franzosen ziehen an Burgholz vorbei 
Pfarrgemeinderat Türkenfeld,   Pferdegespann: Moos, Kottgeisering

Französische Truppen zogen 1796 plündernd durchs Land. Eine Burgholzer Familie wendete sich betend zur Muttergottes um Schutz. Durchziehende und plündernde französische Truppen konnten im Nebel Burgholz nicht entdecken. Die Burgholzer blieben dadurch verschont. Eine Gelöbnisfahne in der Pfarrkirche schildert uns dieses Ereignis in Bild und Text:
»Seht wie Gott uns Menschen schützt, wie Mariä Fürbitt nützt, da der Feind uns Unheil droht, rettet sie uns aus der Noth; denn nicht einer ward verletzt, der die Mutter hoch geschätzt. Jeder der dies lesen kann, schaue dies als Denkmal an. Und wer das erzählen hört, was Franzosen einst verheert, dieser glaube ganz aufs neu, daß sie guth und mächtig sei«.

28. Viehseuche: Silvesterritt als Gelöbnis der Türkenfelder Bauern 
Bauern und Bäuerinnen von Türkenfeld mit Reitverein Moorenweis

Als 1807 in Türkenfeld eine Viehseuche wütete, verlobten sich die Bauern dem Viehpatron Papst Silvester. Zum Dankesbeweis für das Ende der Seuche wurde am Festtag des Heiligen Silvesters ein Pferderitt durchgeführt. Nicht mehr die schweren Rösser, sondern die Pferde der Reit- und Fahrvereine und die Ponys des Pflaumdorfer Ponyhofes machen heutzutage den Silvesterritt am letzten Tag des Jahres zum Höhepunkt des Türkenfelder Brauchtums.
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29. Schulunterricht (mit Pfarrer Wolfinger): Als die Tatzen noch zur Lehrmethode gehörten   Volksschule, Klasse 2a und 2b (Pferdegespann: Lutzenberger, Weinhausen)
Mit der Einführung der Schulpflicht in Bayern richtete Türkenfeld das erste Schulzimmer im Haus Nr.27 (heute Familie Keller) ein. 1852 erwarb die Gemeinde das Fugger-Schloß samt Nebengebäuden von Pfarrer Wolfinger (der es vom Freiherrn von Thünefeld gekauft hatte). Die ehemaligen Pferdestallungen wurden umgebaut und ein Schulzimmer eingerichtet.

30. König Ludwig II.
Matthias Eisenreich (Pferdegespann: Eisenreich, Türkenfeld)

Mit 18 1/2 Jahren wird Ludwig im Jahre 1864 König über vier Millionen Menschen in Bayern. Er war ein Träumer und edler Verschwender. Schon zwei Jahre später ist Krieg und alle Gefechte mit Preußen gehen für Bayern verloren. Ludwig, der sich wenig um seine Soldaten kümmerte, mußte bereits 1870 seine Truppen in einen weiteren Krieg marschieren lassen.
Das ehemalige Privatschiff »Tristan« König Ludwigs II. verkehrte ab 1887 als Amper-Dampfschiff unter dem Namen »Ludwig« zwischen Grafrath und Stegen. Sicherlich hat sich damals der eine oder andere Türkenfelder eine Fahrt auf dem königlichen Schiff gegönnt.

 

31. Deutsch-Französischer Krieg (1870/71): Türkenfelder auf der Seite Preußens
Krieger- und Soldatenverein

(Pferdegespann: Baier, Tannenberg und Schmerold, Lauterbach)
Juli 1870: König Ludwig II. befiehlt die Mobilmachung: der Deutsch-Französische Krieg beginnt. Auf der Kriegertafel an der Kirche von Türkenfeld wird noch heute der drei gefallenen Türkenfelder Männer gedacht.

 

V.   Die gute alte Zeit,  (um die Jahrhundertwende)

Der große Sieg über Frankreich brachte wieder Zuversicht. 
Es kam die »gute alte Zeit« die aus heutiger Sicht bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges andauerte.

Bei den Bauern: Die Technisierung begann erst in den späten fünfziger Jahren dieses Jahrhunderts. Davor mußte der Bauer neben einem großen Können einen hohen körperlichen Einsatz erbringen. Die Arbeitsstunden wurden nicht gezählt und Urlaub machte man auf dem Hof nicht. Die Arbeit war fester Bestandteil des Lebens und wurde vor allem von den Jahreszeiten, dem Wetter und den Festtagen bestimmt.

33. Odelfaß
Bäuerinnen und Bauern von Türkenfeld
(Pferdegespann: Schußmann, Schwabhausen)

Bevor der Kunstdünger eingeführt wurde, sorgten Mist und Odel
für das Wachstum auf Wiesen und Feldern.
Mit diesen wertvollen Produkten mußte der Bauer sparsam umgehen.




34. Heumahd
Bund Naturschutz Ortsgruppe Türkenfeld

Am frühen Morgen zogen die Mäher mit frisch gedengelten Sensen
auf die noch taunasse Wiese zur Mahd von Heu- oder Grummet
und arbeiteten dort den ganzen Tag.
35. Auf dem Weg zum Heuen   Bäuerinnen und Bauern von Türkenfeld (Pferdegespann. Ruppaner, Inning)
Kündete sich schlechtes Wetter an, wurde das Heu auf Heinzen verteilt. Dort konnte es auch eine längere Regenzeit unbeschadet überstehen. 
Nur nach einer ausreichenden Heuernte konnte der Bauer das Vieh satt über den Winter bringen.
36. Heufuder von Ochsen gezogen
Paul Schwanghard (Ochsengespann. Westermeier, Pfettrach)

An der Heuernte beteiligte sich die ganze Familie. Der Bub führte die Zugtiere entlang der Heustrangen. Der Bauer schwang mit der großen Heugabel die Heuhaufen auf den Leiterwagen. Die Bäuerin oder die Magd schichtete das Heu, die Kinder traten es fest, so daß ein hohes Heufuder entstand. Halt gab dem Fuder der aufgelegte Wiesbaum. Es kam aber auch vor, daß ein Heufuder abrutschte und die Dorfstraße unpassierbar wurde. Zum Schaden kam dann auch noch der Spott hinzu
37. Drescher Dorfgemeinschaft Türkenfeld e. V.
(Pferdegespann: Ruppaner, Inning)

Hinter den Mähern, die die Getreidehalme mit der Sense schnitten, gingen die Garbenbinderinnen. Mit einem Büschel von Halmen banden sie die Ähren zu einer Garbe zusammen und stellten sie zum Trocknen auf dem Feld auf. In der Tenne wurden die Ähren mit Dreschflegeln gedroschen.
38. Krauteinhobeln     Bäuerinnen und Bauern von Türkenfeld (Pferdegespann: Ulrich, Westerringen)
Einmal im Jahr wurde Kraut eingehobelt. 
Sauerkraut war ein wichtiger Lieferant von Vitamin C während der Wintermonate.
39. Buttern     Bäuerinnen und Bauern von Türkenfeld (Pferdegespann: Wassermann, Langerringen)
Milch gehörte zu den täglich verfügbaren Nahrungsmitteln. Den Rahm verbutterten die Frauen selbst. In der Zentrifuge wurde der Rahm gewonnen und daraus im Butterfaß die Butter erzeugt.
40. Mosten  Obst- und Gartenbauverein (Ulrich, Westerringen)
Apfelmost war das Getränk des täglichen Lebens, Bier konnte man sich nur an Sonn- und Festtagen leisten. Im Buch »Mehr Erfolg im Obstbau« aus dem Jahre 1913 wird die Mosterei Türkenfeld in Bildern gezeigt und dabei hervorgehoben: »Sehr vorteilhaft ist es einen eigenen Schuppen für Mosterei, Spritzen, Verpack- und Obstversandmaterialien zu bauen, wie ihn z.B. der Obstbauverein Türkenfeld hat«.
41. Imkern im Nebenerwerb
Imkerverein St. Ottilien (Pferdegespann: Dorn, Utting)

Neben den Bauern betrieben meist der Pfarrer und der Lehrer den Nebenerwerb der Imkerei. Zum Süßen der Speisen verwendete man den Honig der eigenen Bienen. Dadurch konnte der teure Zucker gespart werden. Wegen seiner wohltätigen Wirkung wurde der Honig als edle Gottesgabe kochgeschätzt.
42. Auf dem Weg zum Markt
Karl Eberl (Pferdegespann: Schußmann, Schwabhausen)

Was im Dorf selbst keinen Absatz fand, wurde zum Markt gebracht. Auf den Märkten wurde streng auf die Einhaltung der Marktordnung geachtet.
43. Schäferei
Bund Naturschutz

Die kargen Wiesen des Emminger Mooses nutzten die Bauern durch Schafhaltung.
Fleisch, Milch und Wolle der Schafe wurden genutzt.
44. Viehmarkt in Türkenfeld
Bäuerinnen und Bauern von Türkenfeld und Peter Linder, Moorenweis (Pferdegespann: Schmid, Jesenwang)

Der Viehmarkt fand in Türkenfeld mehrmals im Jahr statt. Um den Preis des Viehs wurde erstmals am 1. Mai 1899 gefeilscht. Durch den örtlich begrenzten Handel konnte man das Einschleppen der gefürchteten Viehseuchen durch fremde Tiere meist vermeiden.
45. Torfstechen
SPD-Ortsverein und IG Bauen-Agrar-Umwelt

Im Emminger Moos und im Ampermoos wurde Torf gestochen. Torf war ein begehrter Brennstoff, da er die Glut lange hält und wenig rußt. Die aufgetürmten Torfstücke in Ziegelsteingröße wurden zur besseren Trocknung mehrmals umgeschichtet.
46. Große Wäsche
Ökumenischer Sozialdienst

Hemd und Unterhemd, die bei Tag und Nacht getragen wurden, wechselte man am Sonntag, Bettlaken jeden zweiten Monat. Jede zweite Woche legten die »Weiber« einen großen Waschtag ein. Am Vortag legte man die Textilien in eine Aschenlauge. Am Waschtag kochte man sie im Waschkessel auf dem Küchenherd aus, bürstete sie auf dem Waschtisch, spülte sie am Höllbach und legte sie abschließend zum Bleichen ins Gras.


Feiertage und Festtage
Früher war ein Festtag noch ein Festtag. Die Besonderheit eines solchen Tages wurde herausgehoben aus dem Alltag durch festliche Kleidung und ein Essen, das man sich nicht täglich leisten konnte. 
Um 1800 gab es in unserer Ammerseegegend noch 72 »gefeierte gültige und abgewürdigte Sonn- und Festtage«.

47. Im Wirtshaus 
Gasthof Eisenreich und Tanzlmusi Türkenfeld (Pferdegespann: Pfänder, Langerringen)

In der »Beschreibung der Landgerichtischen und Hofmarkischen Tafernen Schenkstätte Bierwirthe« von 1580 ist für »Türgenfeld« eine »Tafern Hannsen Staudinger zugehörig« aufgelistet. Um die Jahrhundertwende sorgten drei Gastwirtschaften für das leibliche Wohl. Dort traf man sich zu Kartenspiel, Musik und Tanz, aber auch am Stammtisch.
48. Kirchweih 
Obst- und Gartenbauverein

Kirchweih war das ursprüngliche ländliche Erntefest. Alle, die dem Bauer bei der Ernte geholfen hatten, wurden an den Kirchweihtisch geladen. Zur Kirchweih gehörte auch der Kirchweihtanz, wobei die Frauen und Mädchen die Festtagstracht trugen.
49. Bauernhochzeit: Hochzeitskutsche, Hochzeitsgäste und Bettg'wand-Wagen 
Musikverein Türkenfeld und Heimat- und Trachtenverein Geltendorf     Pferdegespann Hochzeitskutsche: Troeder, Türkenfeld / Pferdegespann Bettg wand Wagen: Mayr, Emmering)

Die Hochzeit war ein öffentliches Ereignis für das gesamte Dorf, das nach strengen Traditionsregeln ablief. Sichtbar für alle wurde die Aussteuer der Braut überführt. Der Heimat- und Trachtenverein Geltendorf, der die Hochzeitsgäste darstellt, trägt seine neue Tracht, die nach historischen Vorlagen zum 50jährigen Gründungsfest im Juni 1999 entworfen wurde.
50. Erntedankwagen    Bäuerinnen und Bauern von Türkenfeld (Pferdegespann: Dietrich, Moorenweis)
Nach reichlicher Ernte hatten die Bauern guten Grund Gott zu danken: »Wir danken Dir allmächtiger Gott! Für den reichen Segen, mit welchem Deine väterliche Güte in diesem Jahr uns beschenkt hat«.
Nach einer ungünstigen Ernte änderte sich das Erntedankgebet: »Allmächtiger Gott! Nicht so reichlich, wie Du es sonst gethan hast, segnetest Du uns in diesem Jahr mit Fruchtbarkeit. Aber auch das Wenige, was wir von Deiner Vaterhand empfingen, wird genügen, um uns zu erhalten, wenn Du Deinen Segen dazu giebst«.
51. Musikkapelle Windach

Ländliches Handwerk und Gewerbe
Die Hofmarksherrschaft in Türkenfeld förderte das Handwerk, das mit der Landwirtschaft eng verbunden war. Die Handwerker erhielten von ihrem adeligen Herren ein kleines Anwesen zur Bewirtschaftung, das aus der Abspaltung größerer Anwesen entstand. Hierdurch läßt sich auch erklären, warum Türkenfeld im Steuerbuch von 1671 mit einem durchschnittlichen Hofwert von 70 fl. weit hinter den Dörfern mit großen Höfen ansteht.
Die alten Hausnamen von Türkenfeld lassen Rückschlüsse auf das ausgeübte Handwerk und Gewerbe des Besitzers zu. Beispiele sind:   Bäckergütl, Sattlergütl, Stumpfmühlgütl, Schneiderhansengütl, Drexlergütl, Webersimagütl, Schmidverlgütl, Schneidergütl, Metzgergütl, Baaderleerhaus, Badschäfflergütl, Maurergütl, Hafnergütl, Brunnenwebergütl und Schustergütl.

52. Müller
Schützenverein Enzian Zankenhausen (Pferdegespann: Plabst, Jesenwang)
Brot fehlte bei keiner Mahlzeit. Das Mehl für das Brot, das die Bäuerin backte, wurde in der Mühle am Höllbach gemahlen. Unter den Mühlsteinen befand sich ein Beutelkasten mit Sieb, der das Brotmehl vom Kernmehl (Kleie) trennte. Das Kernmehl wurde zum Kochen und Knödelmachen verwendet.
53. Schmied/Hufschmied
Schlosserei Johann Thalmayr (Pferdegespann: Noll, Wengen)
Das wichtigste Handwerk des Dorfes war die Schmiede. Pferde werden seit dem Hochmittelalter mit Hufeisen beschlagen. Damit konnten die Pferdegespanne auch auf härter befestigten Straßen eingesetzt werden. Der Schmied war zugleich Mechaniker und Künstler, der auch die Messingbeschläge für das Pferdegeschirr und die Grabkreuze schuf.
54. Sattler, Wagner und Rechenmacher TSV Türkenfeld (Stockschützen) und Fritz Schlögl (Pferdegespann: Kirchmair, Waal)
Jahrhundertelang war Pferd und Wagen das einzige Transportmittel. Bauer und Hofmarksherr benötigten gleichermaßen die Dienste des Sattlers. Noch heute sind prächtige Geschirre der Stolz vieler Pferdebesitzer. In der Neuzeit war der Sattler auch Polsterer von Kutschen und Sitzmöbeln.
Das Handwerk des Wagners mußte gelernt sein: Hoch waren die Genauigkeitsanforderungen bei der Herstellung der Speichenräder von Leiterwägen und Kutschen.
Wer es nicht gelernt hatte, konnte zumindest die kleinen Geräte des bäuerlichen Bedarfs wie Gabeln, Rechen oder Sensenstiele herstellen. Der Rechenmacher entstammte meist einer KleinhäuslerFamilie. Im Nebenerwerb konnte er so die Existenz seiner Familie mehr schlecht als recht sichern.
55. Schuster
Martin Mayer und Elisabeth Schwenk
Das Schuhwerk war fürs Leben gemacht. Die Sohlen waren genagelt, dies verhinderte den Verschleiß des teuren Leders. Neue Schuhe für die Kinder wurden oftmals zwei Nummern größer gekauft, um ein Hineinwachsen zu ermöglichen. Zerschlissene Schuhe wurden nicht weggeworfen, sondern geflickt.
56. Hafner und Ofensetzer
Michael Schneller (Pferdegespann: Ulrich, Westerringen)
Das alte Handwerk der Hafner und Ofensetzer hat in Türkenfeld Familientradition. Das Hafnergütl versorgte die Haushalte mit Schüsseln und Krügen für den täglichen Bedarf, auch Großgefäße für die Milchverarbeitung wurden hergestellt. Der Hafner saß nicht nur an der Töpferscheibe, er war auch ein geschickter Ofensetzer.

57. Spinnen von Schafwolle und Flachs und Störnäherin
Irene Menzinger und Marianne Huß (Pferdegespann: Schorer, Beckstetten)
Schafwolle und Flachs waren die Ausgangsprodukte der Kleidung. Vor allem die Anwesen, die in der Grunddienstbarkeit des Klosters Fürstenfeld standen, betrieben den Flachsanbau und dessen Weiterverarbeitung.
Bevor der Flachs versponnen werden konnte, waren viele Arbeitsschritte notwendig: rüffeln - rösten - dörren - brechen und schwingen. Wer weiß heute noch darüber Bescheid? Das Spinnrad wurde mit dem Fuß bedient. Der von der Spinnerin vom Rocken gezupfte Flachs wurde vom Rad zum Faden gedreht.
Die Störnäherin ging auf Stör, das heißt, sie kam ins Haus ihrer Kunden um Kleider oder Bettwäsche zu nähen. So mancher Kunde, der den Tageslohn der Näherin von etwa 2 Mark nicht bezahlen konnte, beglich ihre Arbeit mit Eiern, Butter oder sonstigen Erzeugnissen. Der rot-weiß geschachtete Zisterzienserbalken im Wappen der Gemeinde Türkenfeld weist auf die ehemaligen Besitzungen des Klosters Fürstenfeld im Dorf hin.
58. Bieranlieferung (Pferdegespann: Schloßbrauerei Kaltenberg)
Die schweren mit Bierfässern beladenen mehrspännigen Brauereigespanne, die früher das Bier ins Dorf lieferten, wurden schon damals als Reklameträger genutzt. Häufig waren die Pferde geschmückt und bemalte Schilder zeigten, welche Brauerei das Bier ins Dorf lieferte.


Die frühen Vereine

1872 fand die Gründung des ersten Vereins im Dorf statt. Andere Vereinigungen folgten um die Jahrhundertwende. Ihre Arbeit förderte das Zusammengehörigkeitsgefühl und prägte das gesellschaftliche Leben im Dorf.

59. Krieger- und Soldatenverein, gegründet 1872
Krieger- und Soldatenverein   (Pferdegespann: Ruppaner, Inning)
60. Freiwillige Feuerwehr, gegründet 1891 
Freiwillige Feuerwehr (Pferdegespann: Krach, Dettenschwang)
61. Schützenverein Alpenrose und Schützenverein Gemütlichkeit, gegründet 1899
Schützenverein Gemütlichkeit
62. Obst- und Gartenbauverein Türkenfeld / Zankenhausen,
gegründet 1905 
Obst- und Gartenbauverein
63. Spar- und Darlehenkassenverein, gegründet 1908 
Raiffeisenbank Westkreis FFB eG (Pferdegespann: Ulrich, Westerringen)
64. Hochrad
Herbert Süßmater, Moorenweis

 

 

VI 127 Jahre Gemeinde Türkenfeld     (1872 - 1999)
66. Gemeindebildung Gemeinderäte 
(Pferdegespann: Schneider, Ludenhausen)
Das bestehende Ortsgericht wurde 1820 in das Patrimonialgericht Il. Klasse geändert. Als Inhaber wurde Klemens Freiherr v. Thünefeld aus Schmiechen bestätigt. Ab 1872 stand der Bürgermeister der Gemeinde vor.
1878 kam der Zankenhausener Ortsteil Burgholz zu Türkenfeld.
Zankenhausen selbst (mit den Weilern Pleitmannswang und Peutenmühle) wurde 1972 in Türkenfeld eingemeindet.
67. Eröffnung Bahnstation Türkenfeld 
The Voices,  Folk- und Gospelchor Türkenfeld   
(Pferdegespann: Rügemer, Utting)
Am 1. Mai 1873 konnte die Eröffnung der Bahnlinie München-Landsberg gefeiert werden. Drei Monate später war die Strecke bis Buchloe erweitert. Türkenfeld entwickelte sich zur bedeutenden Verladestation, vor allem von Holz.
68. Prinzregent Luitpold von Bayern in Türkenfeld 
Chorgemeinschaft MGV (Pferdegespann: Schmid, Reisch)
11. Juli 1896: Auf der Heimreise von einer Besichtigung des königlichen Stammgestütes Achselschwang bestieg Prinzregent Luitpold von Bayern am Bahnhof Türkenfeld den Zug. Seine Hoheit unterhielt sich zuvor noch mit den Honoratioren des Dorfes, ein Mädchen trug ein Gedicht vor. Fast alle Ortsbewohner von Türkenfeld fanden sich am Bahnhof ein.
69. Weltkriege (1914/18 und 1939/45) 
Krieger- und Soldatenverein (Modellbau: Erich Brix, Hans und Otto Widmann, Franz Pittrich / Pferdegespann: Steer, Türkenfeld)
Den Gefallenen der beiden Weltkriege wird in der Kriegergedächniskapelle gedacht. Auch Grabdenkmäler im Friedhof und ein Feldkreuz erinnern noch an die gefallenen Urgroßväter, Großväter und Väter der heutigen Türkenfelder.
70. Molkerei Türkenfeld (1924) 
Kirchenchor
Täglich zweimal brachten die Frauen und die Kinder der Bauern mit Leiterwagen oder Schubkarren die Milch zur Molkerei im Linsenmann-Anwesen. Die Molkerei erhielt 1924 eine neue Einrichtung.
71. Beginn der Technisierung Die ersten Traktoren und Maschinen
im Dorf
Bauernverband Zankenhausen, 
(Traktorengespanne: Schwanghard, Mayer, Herb, Höpfl)
Der Traktor löste das Pferde- oder Ochsengespann ab. An der Stelle der menschlichen und tierischen Muskelkraft stand fortan der Motor des Ackerschleppers. Den legendären »Lanz-Bulldog« (ab 1921) konnten sich zunächst nur landwirtschaftliche Großbetriebe leisten. Erst in der Nachkriegszeit wurde der Traktor auch für kleinere Betriebe erschwinglich. Um 1939 gab es im Ort zwei Schlepper. Ab 1950 wurde der Schlepper (Traktor / Bulldog) zur wichtigsten Zentralmaschine in der Landwirtschaft. Hydraulik und Zapfwelle trieben auch angehängte Geräte an. Die Leistungsstärke des Traktors in der Nachkriegszeit lag bei durchschnittlich 16 PS, während die »Ackergiganten« von heute bis zu 500 PS aufweisen.
72. Feuerwehr mit Motorspritze 1929 
Freiwillige Feuerwehr Türkenfeld (Traktorgespann: Pittrich)
Auch die Feuerwehr nutzte die neuen Techniken:
Mit dem Traktor gelangte man schneller zur Brandstelle als anno dazumal mit dem Pferdegespann und die Motorspritze förderte auch mehr Löschwasser als der frühere Handbetrieb.
73. Seniorenblaskapelle Türkenfeld
Seniorenblaskapelle des Musikvereins (Traktorgespann: Schorer)
74. Oldtimer Automobile Richard Hellmater und Peter Schreiber
75. Polizeistation Türkenfeld
Markus Ritzer und Alfred Schreck
Von 1945 bis 1960 hatte Türkenfeld eine eigene Polizeistation, die in der Regel mit drei Beamten besetzt war. Ihr »Einsatzfahrzeug« war das Fahrrad.


76. - 77  Flüchtlinge und Heimatvertriebene:
Sudetendeutsche Landsmannschaft
und Schlesische Landsmannschaft 
Nach Kriegsende wurden im Ort Hunderte von Flüchtlingen und Heimatvertriebenen aufgenommen. »Ein Drittel der Bevölkerung sind Vertriebene aus den Ostgebieten«, berichtete das Kreisheimatbuch im Jahre 1963. Einige Straßen wurden nach der Landsmannschaft der Heimatvertriebenen bezeichnet: Donauschwabenstraße, Egerländer Straße, Ostlandstraße, Schlesierstraße, Sudetenstraße und Siebenbürgenstraße (in Zankenhausen).
78. »Made in Türkenfeld«: Trautner Diesel 
Ernst Liebich (Traktorengespanne: Liebich, Geltendorf)
Otto Trautner begann 1950 in Türkenfeld mit der Produktion von Traktoren. Zunächst rüstete er die Fahrgestelle von ausgesonderten Ami-Jeeps mit einem 1-Zylinder-Dieselmotor aus. Der soge
nannte Trautner Diesel hatte bereits einen 2-Zylinder Motor mit 25 PS und ein 4-Gang-Renk-Getriebe unter der Schlepperhaube. Gleichzeitig erfolgte die Umrüstung der landwirtschaftlichen Wagen auf Gummibereifung. Auch Johann Thalmayr führte in seiner Schmiede am Dorfweiher solche Umbauten durch.
79. Eröffnung Filmtheater »Melodie« 
Kegelverein (Traktorgespann: Deininger)
»Eröffnung des Melodie-Filmtheaters in Türkenfeld am Donnerstag, 19. September 1957, 20 Uhr mit dem Film Sissy, die junge Kaiserin - Georg Knoblauch und Frau«, lautete die Einladungskarte zur Premiere des Kinos. Die Kassenschlager wie »Vom Winde verweht« und »Winnetou« sind sicherlich vielen Dorfbewohnern noch in sentimentaler Erinnerung. Das Kino, mit 250 Sitzplätzen und bis zu 5 Vorführungen am Wochenende, schloß im Jahre 1970 für immer seinen Vorhang.
Seit 1972 machte sich Georg Knoblauch als filmender Ortschronist verdient. So verfügt die Gemeinde Türkenfeld über ein riesiges Filmarchiv, das alle wichtigen Dorfereignisse über 25 Jahre beinhaltet.
80. Gebietsreform: Wiedererlanung der Selbständigkeit (1980) 
Gemeindeverwaltung (Traktorgespann: Foltin)
Bei der Gebietsreform ordnete die Regierung von Oberbayern 1976 eine Verwaltungsgemeinschaft der Gemeinden Grafrath, Kottgeisering, Schöngeising und Türkenfeld an. Bürgermeister Peter Ofer und der Gemeinderat lehnten sich gegen diese Zwangsehe der Gemeinden auf. Ofer gründete die Aktionsgemeinschaft Demokratische Gebietsreform, CSU Gemeinderäte verließen die Partei und bei der Wahl des Bayerischen Landtages von 1978 entzogen die hiesigen Bürger der Regierungspartei das Vertrauen. Noch in der Wahlnacht verkündete der neu gewählte Ministerpräsident Franz Josef Strauß, daß die Reform nachgebessert wird. 
Am 1. Januar 1980 erlangte Türkenfeld die Selbständigkeit zurück. Seit dieser Zeit wird der Hl. Silvester auch als Patron der Gemeinde verehrt.
81. Unterzeichnung der Partnerschaft mit Oberdrauburg (1990) 
Gemeindeverwaltung (Traktorgespann: Schöttl)

Bürgermeister Pirker aus der Marktgemeinde Oberdrauburg (Kärnten) und Bürgermeister Wölfel aus Türkenfeld unterzeichneten am B. Juni 1990 eine Partnerschaftsvereinbarung mit dem Wortlaut: »Es ist gemeinsamer Wille, die Bürger beider Gemeinden durch vielfältige Kontakte freundschaftlich zu verbinden, um damit einen Beitrag zu gut nachbarlichen Beziehungen zwischen den Ländern Bayern und Osterreich zu leisten«.
82. Blaskapelle Oberdrauburg
83. Abordnungen der Ortsvereine von Türkenfeld und Oberdrauburg
Ortsvereine von Türkenfeld, Zankenhausen und Oberdrauburg


Im Hof des Gasthauses Drexl (neben der Kirche) :



84. Dörfliches Leben rund ums Wirtshaus Gasthaus Drexl, 
V.D.K

Die Fam. Drexl (unterstützt vom V D.K.) stellt im Hof ihres Gasthauses das dörfliche Leben vergangener Zeit rund ums Gasthaus dar. Die Kinder des Kindergartens zeigen während des Festzuges einen Erntetanz.
Die Wirtshäuser gewährten früher vor allem den Störhandwerkern und Reisenden Obdach. Nahezu jedes Wirtshaus mußte somit auch Einrichtungen zur Beherbergung von Roß und Wagen aufweisen. Stall- und Hausknechte versorgten die Pferde, Esel und Maultiere mit Hafer und geschnittenem Stroh. 
85. Erntetanz der Kinder 
Kindergarten
 
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